Gewalt ist Ausdruck der Perspektivlosigkeit
Gewalt und Hoffnungslosigkeit beherrschen den Alltag der Rütli-Schule. Doch das Problem ist weder neu noch lässt es sich mit Repressionen lösen. Die Ursachen liegen in sozialen Problemen und im Schulsystem.
Brandstifter haben sich selbst schon häufiger zu Feuerwehrmännern erklärt. Konservative Politiker, die jahrzehntelang nichts für die Integration der Migraten getan haben, fordern heute eine „Integrationsoffensive“. Neuerdings reicht diese Strategie aber nicht aus. Diesmal werden zudem die Opfer zu Brandstiftern erklärt. Den Migranten wird die Schuld an den Problemen gegeben. Sie seien integrationsunwillig und von Elternhaus gewalttätig.
Bereits vier Wochen bevor die Rütli-Hauptschule die Schlagzeilen dominierte, haben sich Lehrer der Schule mit einem dramatischen Hilferuf an den Senat gewandt. Sie seien ratlos, schrieben sie. Zunehmend werden Hauptschulen Verwahranstalten für Ausgegrenzte und Perspektivlose. Die Jugendlichen auf diesen Schulen wissen, dass der Arbeitsmarkt praktisch keinen Bedarf nach ihnen hat. Sie sehen keinen Grund, sich anzustrengen und werden häufig aggressiv. Im Neuköllner Stadtteil beträgt die Arbeitslosenquote über 40 Prozent, unter Migranten ist der Anteil sogar höher. Mehr als 80 Prozent der Rütli-Schüler haben einen Migrationshintergrund. Dennoch ist ihre Herkunft nicht ausschlaggebend für die Gewalt. Einen ähnlichen Hilferuf, der jedoch nicht an die große Glocke gehängt wurde, gab es vor einem halben Jahr von einer Hauptschule aus Sachsen-Anhalt. Eine Schule mit kaum Migrantenjugendlichen.
Ungeachtet dieser Tatsache sah die CDU – kurz vor den Senatswahlen in Berlin - wieder eine gute Gelegenheit gekommen, um gegen Migranten zu hetzen. Der kommunalpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Peter Götz, sieht Deutschland vor dem „Problem der Überwindung selbst gewählter (!) Abgrenzung der Zuwanderer.“ Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger will Problemschüler abschieben. Jugendliche, die mehrfach wegen Straftaten aufgefallen seien, müssten notfalls abgeschoben werden.
Wenn man mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, zeigen drei Finger auf einen selbst. Die CDU hat noch bis vor kurzem bestritten, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, und nichts für die Integration getan. Das gibt selbst NRW’s Integrationsminister Armin Laschet von der CDU zu.
Die eigentlichen Ursachen liegen mit Sicherheit nicht bei den Schülern selbst. Sie liegen neben der astronomisch hohen Arbeitslosigkeit in dem Viertel auch in dem dreigliedrigen Schulsystem in Deutschland. „Perspektivisch muss die Hauptschule in dieser Zusammensetzung aufgelöst werden zu Gunsten einer neuen Schulform mit gänzlich neuer Zusammensetzung“, sind die Lehrer der Schule überzeugt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterscheidet sich mit ihrer Einschätzung nicht sehr stark von dieser Meinung. Sie erneuerte ihre Kritik am dreigliedrigen Schulsystem. „Die Gesellschaft muss in die Zukunft der jungen Menschen investieren, ihnen muss gezeigt werden, dass wir sie alle brauchen“, sagte GEW-Chef Ulrich Thöne.
Schritte zur Lösung des Problems:
- Die weitere Kriminalisierung der Jugendlichen muss sofort aufhören. Vergessen wir nicht das Problem sind nicht sie, sondern das Bildungs- und Erziehungssystem, das sie kaputt macht.
- Was alle brauchen sind Ausbildungsplätze und eine Zukunftsperspektive!
- Das selektive Schulsystem, das Kindern aus ärmeren Familien keine Chancen gibt, muss abgeschafft werden. Eine einheitliche Schule muss her!
- Langfristig muss die Auflösung der „sozialen Brennpunkte“ angestrebt werden. Das setzt aber voraus, dass die Familien Arbeit und ausreichend Einkommen haben.